Gründung einer Trägerbohlwand
Beim Bau eines Berliner Verbaus (Trägerbohlwand) gibt es unterschiedliche Praktiken.
Diese unterscheiden sich bereits bei der Vorbereitung der Bohrlöcher. Für die Einbringung der Verbauträger können zwei Arten von Bohrgeräten verwendet werden.
Zum einem die großen
Drehbohrgeräte mit denen man sehr große Bohrtiefen auch in festen Böden erreichen kann. Diese haben jedoch den Nachteil, dass deren Einsatz mit sehr hohen Schwertransport- und Rüstkosten verbunden sind. Das heißt, dass sich diese Grossgeräte erst bei einer größeren Anzahl von Bohrungen lohnen.
Auch benötigen solche Geräte erheblich mehr Bewegungsraum auf der Baustelle, da diese oftmals sehr schwer und breit sind. Im Vorfeld ist daher zu prüfen, ob solche schweren Geräte überhaupt auf der Baustelle einsetzbar sind.
Wenn das Drehbohrgerät dicht an bereits vorhandenen Bauwerken vorbeifahren muss oder im Stand arbeitet, könnte es sonst zu Schäden infolge des verstärkten Erddrucks kommen.
Führt der Einsatz solcher schweren Geräte z.B. an vorhandenen Böschungen vorbei muss hier eher mit der Gefahr eines Böschungsbruchs gerechnet werden als bei leichteren Geräten.
Alternativ zu den schweren Drehbohrgeräten lassen sich Erdbohrungen auch mit einem leichtem und einfacher zu transportierenden Bagger mit Freireiterbohrgerät bewältigen.
Die folgenden Bildern zeigen die Erstellung von Bohrlöchern am
Frankfurter Riedberg und in
Darmstadt im sog.
Freireiterbohrverfahren.
Mit dem
Freireiterbohrgerät am Standardbagger lassen sich bis zu
8,5m tiefe Bohrlöcher unter folgenden Voraussetzungen leicht herstellen.
- Kein steiniger oder felsiger Boden mit Korngrößen über 63mm
- Kein Grundwasser wenn die Bohrlöcher tiefer als 6m werden sollen
- Bindige und kiesige Böden stellen dagegen kein Problem dar
Auf diese Art und Weise lassen sich gewöhnlich Baugruben bis ca.
3-4m Tiefe leicht absichern.
Je nach Bodenbeschaffenheit (Tragfähigkeit der Trägerbettung infolge horizontaler Belastung) kann die mögliche Verbautiefe variieren.
Insbesondere Böden mit einem geringen Reibungswinkel wirken sich hier negativ aus.
Reibungswinkel zwischen
25° -27,5° stellen für diesen Zweck einen relativ schlechten Reibungswinkel dar.
Böden mit
27,5°-32,5° Reibungswinkel sind mittelmäßig bis gut.
Böden mit
35° Reibungswinkel stellen sehr gute Tragfähigkeitsvoraussetzung dar.
Darüber liegende Werte (
über 35°) treten nur sehr selten auf und sind mit Vorsicht zu behandeln. Hier sollte sich ein Bodengutachter in seiner Bodenbewertung zur Bemessung von Trägerbohlwände sehr sicher sein.
Die Kohäsion bei bindigen Böden wirkt sich auf die Bemessung der Träger ebenfalls positiv aus. Gleicht aber im Grunde nur die schlechteren Reibungswinkel um die 25° bis 27,5° bei bindigen Böden etwas aus.
Es ist daher ratsam für die Bemessung von Baugruben
immer ein Bodengutachten anzufertigen. Zumal ein Bodengutachten ohnehin für die Gebäudegründung ratsam ist.
Sollte im näheren Umkreis des Bauvorhabens eine offene Baugrube existieren lassen sich eventuell schon grobe Abschätzungen der Bodenkennwerte ableiten.
Die Analysierung zweier Bodenproben lassen sich bereits für knapp 1.000,00 Euro bewerkstelligen zuzüglich Aufwand der Bodenprobenentnahme.
Hier gilt es insbesondere die Wichte, Reibungswinkel und eventuell die Kohäsion zu bestimmen - um eine wirtschaftliche und technisch- optimierte Verbaukonstruktion zu wählen.
Die Ausfachung zwischen den Verbauträgern kann in Holz oder Beton erfolgen.
Holz stellt hier zunächst die günstigste Ausfachungsform dar, solange man den Verbau wieder komplett entfernen kann. Oft werden Gebäude aus Platzgründen ohne Arbeitsraum an die Verbaufläche gesetzt.Das hat jedoch zur Folge, dass man später nur noch schwer das Holz ausbauen kann.
Hierzu gibt es verschieden Auffassungen. Rein "bautechnisch" sollte gesehen sollte Holz jedoch nicht im Untergrund verrotten. Dieser Verrottungsprozess findest jedoch nur sehr langsam statt und muss kann keine Probleme nach sich ziehen solange es zu keiner Volumensveränderung im Untergrund kommt. ALs Beispiel sind hier die Pfahlbauten von Venedig zu nennen, die seit vielen Jahrhunderten auf Holzpfählen ruhen.
Kommt man jedoch mit seinem Verbau in die Nähe von öffentlichen Einrichtungen sehen diese Institutionen solche im Untergrund verbleibenden
Holzausfachungen oft nicht gerne.
Hier stellt sich die Frage, ob man unter beengten Verhältnissen nicht doch besser eine
Betonausfachung wählt.
Hier bieten wir unseren Kunden eine Betonfertigteillösung an. Mit diesen lassen sich Ausfachungen schnell abwickeln und können auch sofort belastet werden. Alternativ gibt es noch die klassische
Spritzbetonausfachung die jedoch aufgrund des zeitlich andauernden Betonabbindeprozesses nur in kleinen Abschnitten erfolgen kann.
03.03.2010. 20:27